Logistik in Zahlen
Wie viel Logistik findet eigentlich in einer Gemeinde statt? Welche Verkehre gehören dazu, welche Auswirkungen haben sie – und welche Daten benötigen Gemeinden, um ihre Logistik gezielt gestalten zu können? Im Projekt „Logistik in Zahlen“ entwickelte das IFZ gemeinsam mit der University of Applied Sciences St. Pölten einen praxisorientierten Leitfaden zur Definition, Erfassung und Nutzung innerörtlicher Logistikdaten.
BMIMI, Abteilung II/7 - Logistikkoordination
2024-2025
University of Applied Sciences St.Pölten USTP,
Carl Ritter von Ghega Institut für integrierte Mobilitätsforschung,
Department Bahntechnologie und Mobilität
Eine bessere Datengrundlage für kommunale Logistik
Städte und Gemeinden sind täglich mit einer Vielzahl logistischer Verkehre konfrontiert. Pakete werden zugestellt, Geschäfte und Gastronomiebetriebe beliefert, Baustellen versorgt, Abfälle und Wertstoffe abgeholt, medizinische Einrichtungen beliefert und zahlreiche weitere Güter und Dienstleistungen transportiert.
Trotz ihrer Bedeutung für das Funktionieren von Städten und Gemeinden ist über diese Verkehre häufig vergleichsweise wenig bekannt. Während für den Personenverkehr umfangreiche Daten und etablierte Erhebungsmethoden zur Verfügung stehen, bestehen beim Güter- und Wirtschaftsverkehr erhebliche Informationslücken.
Das erschwert eine zielgerichtete Planung. Denn ohne ausreichende Kenntnis des tatsächlichen Logistikgeschehens können Belastungen, räumliche und zeitliche Schwerpunkte oder Nutzungskonflikte nur eingeschränkt beurteilt werden. Gleichzeitig besteht die Gefahr, einzelne Logistikbereiche über- oder unterzubewerten und Maßnahmen auf einer unzureichenden Datengrundlage zu entwickeln.
Das Projekt „Logistik in Zahlen“ setzte an dieser Lücke an.
Logistik ist mehr als Paketverkehr
Eine wesentliche Grundlage des Projekts war ein breites Verständnis kommunaler Logistik. Denn innerörtlicher Güter- und Wirtschaftsverkehr ist äußerst heterogen und reicht weit über Kurier-, Express- und Paketdienste hinaus.
Betrachtet wurden unter anderem KEP-Verkehre, Handels- und Filiallogistik, Baustellenlogistik, Abfall- und Wertstofflogistik, medizinische Logistik, Veranstaltungslogistik, Energie- und Versorgungslogistik sowie weitere betriebliche und kommunale Logistikverkehre.
Diese Logistikarten unterscheiden sich erheblich hinsichtlich ihrer Fahrzeuge, zeitlichen Abläufe, räumlichen Anforderungen und Auswirkungen auf das Verkehrsgeschehen. Eine zentrale Aufgabe des Projekts bestand deshalb darin, diese Vielfalt systematisch zu strukturieren und für kommunale Fragestellungen zugänglich zu machen.
Welche Daten brauchen Gemeinden?
Nicht jede Gemeinde benötigt dieselben Daten – und nicht jede Fragestellung erfordert eine umfassende Verkehrserhebung.
Der im Projekt entwickelte Ansatz stellt deshalb die kommunale Fragestellung an den Anfang: Welches Problem soll gelöst oder welche Entwicklung besser verstanden werden? Geht es beispielsweise um Lieferverkehre in einem Ortszentrum, Nutzungskonflikte an Ladezonen, Baustellenverkehr, die Erreichbarkeit von Betrieben oder um die Auswirkungen logistischer Verkehre auf Klima, Verkehrssicherheit und Aufenthaltsqualität?
Davon ausgehend lässt sich bestimmen, welche Informationen tatsächlich benötigt werden, welche Daten bereits vorhanden sind und welche Datenlücken gezielt geschlossen werden müssen.
Damit verfolgt „Logistik in Zahlen“ bewusst einen praxisorientierten Ansatz: Ziel ist nicht, möglichst viele Daten zu sammeln, sondern jene Informationen verfügbar zu machen, die Gemeinden für konkrete Planungs- und Entscheidungsprozesse benötigen.
Von bestehenden Daten bis zu eigenen Erhebungen
Ein Schwerpunkt des Projekts lag auf der Frage, wie Gemeinden Zugang zu geeigneten Logistikdaten erhalten können.
Denn relevante Informationen befinden sich nicht nur in kommunalen Datenbeständen. Ein erheblicher Teil der Logistikdaten liegt bei Unternehmen und anderen privaten Akteur, ist auf unterschiedliche Stellen verteilt oder aufgrund betrieblicher und wettbewerblicher Interessen nur eingeschränkt zugänglich.
Der Leitfaden zeigt deshalb unterschiedliche Wege zur Datengewinnung und kombiniert bestehende kommunale und öffentliche Datenquellen mit eigenen Erhebungen, Befragungen, Beobachtungen und Zählungen sowie externen und digitalen Datenquellen.
Je nach Fragestellung können beispielsweise Betriebs- und Fahrer, Fahrzeugbeobachtungen, GPS-Daten, Verkehrszählungen, Interviews, bestehende Verkehrs- und Verwaltungsdaten oder modellbasierte Abschätzungen eingesetzt werden.
Die Methoden werden hinsichtlich ihrer Einsatzmöglichkeiten, Anforderungen und Grenzen beschrieben und sollen Gemeinden dabei unterstützen, eine für ihre jeweilige Fragestellung angemessene Kombination auszuwählen.
Von Daten zu Maßnahmen
Logistikdaten sind kein Selbstzweck. Ihr Nutzen entsteht dort, wo sie in kommunale Planungs- und Entscheidungsprozesse einfließen.
Eine bessere Datengrundlage kann beispielsweise dabei helfen, Logistikschwerpunkte zu erkennen, Lade- und Lieferzonen zu planen, Flächen für logistische Nutzungen zu sichern, Baustellen- oder Entsorgungsverkehre besser zu organisieren und Auswirkungen geplanter Maßnahmen abzuschätzen.
Damit verbindet das Projekt die Erfassung von Logistikdaten mit übergeordneten kommunalen Zielsetzungen: einer effizienten Versorgung, einer Reduktion von Emissionen und Nutzungskonflikten, höherer Verkehrssicherheit und einer verbesserten Aufenthaltsqualität.
Ein Leitfaden für die kommunale Praxis
Zentrales Ergebnis des Projekts ist der Leitfaden „Logistik in Zahlen – Ein Leitfaden für Gemeinden zur Definition, Erfassung und Verwendung innerörtlicher Logistikdaten“.
Er führt Gemeinden schrittweise von den Grundlagen kommunaler Logistik über unterschiedliche Logistikarten und Handlungsfelder bis zur Auswahl geeigneter Daten und Erhebungsmethoden.
Im Mittelpunkt steht dabei ein Grundprinzip: Kommunale Logistikplanung braucht nicht möglichst viele Daten, sondern die richtigen Daten für die jeweilige Fragestellung.
Der Leitfaden schafft damit eine methodische Grundlage, mit der Städte und Gemeinden ihr Logistikgeschehen besser verstehen, bestehende Wissenslücken gezielt schließen und Entscheidungen auf eine belastbarere Datengrundlage stellen können.
Die praktische Anwendung dieses Ansatzes wurde anschließend im Folgeprojekt „Logistikdaten in Gemeinden“ gemeinsam mit österreichischen Pilotgemeinden erprobt.
Weitere Informationen und Download
Der Leitfaden „Logistik in Zahlen – Ein Leitfaden für Gemeinden zur Definition, Erfassung und Verwendung innerörtlicher Logistikdaten“ ist auf der Website des Bundesministeriums für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI) verfügbar.
