Logistikdaten in Gemeinden

Wie können Gemeinden ihre Logistik besser verstehen und auf Basis von Daten gezielt gestalten? Das IFZ hat gemeinsam mit österreichischen Gemeinden den 2025 entwickelten Leitfaden „Logistik in Zahlen“ in der Praxis erprobt. Das Projekt „Logistikdaten in Gemeinden“ zeigt, wie vorhandene Daten besser genutzt, Datenlücken gezielt geschlossen und damit Grundlagen für eine nachhaltige kommunale Logistikplanung geschaffen werden können.

Auftraggeber

BMIMI, Abteilung II/7 - Logistikkoordination

Kontakt
Laufzeit

2025-2026

Partner

University of Applied Sciences St.Pölten USTP,

Carl Ritter von Ghega Institut für integrierte Mobilitätsforschung,

Department Bahntechnologie und Mobilität

Logistik sichtbar und planbar machen

Lieferverkehre, Baustellenlogistik, Abfallentsorgung und weitere Wirtschaftsverkehre sind für das Funktionieren von Städten und Gemeinden unverzichtbar und prägen zugleich das lokale Verkehrsgeschehen. Während für den Personenverkehr vielfach umfangreiche Datengrundlagen zur Verfügung stehen, ist über das kommunale Logistikgeschehen häufig deutlich weniger bekannt.

Dabei benötigen Gemeinden Informationen über Güter- und Wirtschaftsverkehre, um Belastungen und Nutzungskonflikte zu erkennen und Maßnahmen für Klimaschutz, Verkehrssicherheit und Aufenthaltsqualität zielgerichtet planen zu können.

Mit dem 2025 veröffentlichten Leitfaden „Logistik in Zahlen“ wurde unter Federführung des IFZ ein praxisorientiertes Werkzeug entwickelt, das Gemeinden dabei unterstützt, ihr Logistikgeschehen systematisch zu erfassen. Im Mittelpunkt steht ein problemorientierter Zugang: Welche konkreten Fragestellungen möchte eine Gemeinde beantworten? Welche Daten sind dafür bereits vorhanden? Wo bestehen tatsächlich relevante Datenlücken – und mit welchen Methoden können diese mit vertretbarem Aufwand geschlossen werden?

Das Projekt „Logistikdaten in Gemeinden“ überführte diesen methodischen Ansatz in die kommunale Praxis.

 

Praxiserprobung in Amstetten und Waidhofen an der Ybbs

Gemeinsam mit den Städten Amstetten und Waidhofen an der Ybbs wurde der Leitfaden anhand konkreter kommunaler Rahmenbedingungen und Fragestellungen erprobt. Vorhandene Datenquellen wurden gesichtet, lokale Logistikstrukturen und relevante Akteur:innen analysiert sowie mögliche Anwendungsfelder und geeignete Erhebungsmethoden identifiziert.

Eine zentrale Erkenntnis aus der Pilotierung ist, dass Gemeinden beim Thema Logistikdaten häufig nicht bei null beginnen müssen. In unterschiedlichen Verwaltungsbereichen sind bereits zahlreiche relevante Informationen vorhanden – beispielsweise Verkehrs- und Infrastrukturdaten, Flächennutzungs- und Baustellendaten, Informationen aus der Abfallwirtschaft oder bestehende Verkehrszählungen.

Diese Daten werden bislang jedoch häufig getrennt voneinander betrachtet und nicht gezielt für Fragestellungen des Güter- und Wirtschaftsverkehrs zusammengeführt. Ihre systematische Sichtung und Verknüpfung kann daher bereits mit vergleichsweise geringem Aufwand neue Erkenntnisse über das lokale Logistikgeschehen ermöglichen.

Erst dort, wo bestehende Daten nicht ausreichen, sind zusätzliche Erhebungen erforderlich. Je nach Fragestellung können dafür unterschiedliche Methoden eingesetzt und kombiniert werden – von Zählungen und Beobachtungen über Befragungen und Interviews bis hin zur Nutzung externer oder digital erzeugter Daten.

 

Von Lieferzonen bis Baustellen- und Entsorgungsverkehr

Kommunale Logistik umfasst deutlich mehr als Paket- und Lieferdienste. Entsprechend breit sind auch die möglichen Anwendungen von Logistikdaten.

Sie können beispielsweise dazu beitragen, räumliche und zeitliche Belastungsschwerpunkte zu identifizieren, Liefer- und Ladezonen bedarfsgerecht zu planen, Baustellenverkehre besser zu organisieren, Entsorgungsverkehre zu analysieren oder Nutzungskonflikte im öffentlichen Raum sichtbar zu machen.

Damit werden Logistikdaten auch zu einer Grundlage für übergeordnete kommunale Ziele. Sie unterstützen Gemeinden dabei, Wirtschaftsverkehr, Klimaschutz, Verkehrssicherheit und Aufenthaltsqualität gemeinsam zu betrachten und Maßnahmen auf einer nachvollziehbaren Datengrundlage zu entwickeln.

 

Erfahrungen übertragen und unterschiedliche Perspektiven einbeziehen

Die praktische Erprobung wurde durch den Austausch mit weiteren sogenannten Follower Cities ergänzt. Dadurch konnten die Erfahrungen aus den Pilotstädten mit unterschiedlichen kommunalen Rahmenbedingungen und Fragestellungen gespiegelt und zusätzliche Einsatzmöglichkeiten des Leitfadens identifiziert werden.

Der Austausch zeigte zugleich, dass datenbasierte Logistikplanung nicht nur für große Städte relevant ist. Gerade kleinere und mittlere Gemeinden benötigen Ansätze, die mit vorhandenen Ressourcen umsetzbar sind und bestehende Datenbestände möglichst effizient nutzen.

 

Von Daten zu kommunalen Entscheidungen

Das Projekt zeigt, dass eine bessere Datengrundlage für kommunale Logistik nicht zwangsläufig umfangreiche neue Erhebungen voraussetzt. Entscheidend ist vielmehr, von einer konkreten kommunalen Fragestellung auszugehen, vorhandene Informationen systematisch zu nutzen und Datenlücken gezielt dort zu schließen, wo zusätzliche Informationen für Entscheidungen tatsächlich benötigt werden.

Dieser Ansatz gewinnt auch vor dem Hintergrund der österreichischen Logistikstandortstrategie an Bedeutung, in der Digitalisierung und eine verbesserte Nutzung von Daten wichtige Grundlagen für die Weiterentwicklung des Güterverkehrs und der Logistik bilden.

Die Ergebnisse des Projekts wurden in der Publikation „Logistikdaten in Gemeinden – Eine Dokumentation von Praxiserfahrungen und Anwendungen des Leitfadens ‚Logistik in Zahlen‘ in Gemeinden“ zusammengeführt. Sie bietet Gemeinden einen praxisnahen Einstieg und zeigt anhand der Pilotanwendungen, wie Schritt für Schritt eine belastbare Grundlage für eine nachhaltige kommunale Logistikplanung geschaffen werden kann.

 

Weitere Informationen und Download

Die Publikation Logistikdaten in Gemeinden ist auf der Website des Bundesministeriums für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI) verfügbar.

Forschungsthema